Die Studierenden des Masterstudiengangs Denkmalpflege der Otto-Friedrich-Universität Bamberg hatten vom 1. bis 5.7. 2024 die Möglichkeit, das hunderttürmige Prag aus einer besonderen Perspektive kennenzulernen. Organisiert wurde die Reise im Rahmen eines Lehrforschungsprojekts zu Leitbildern und Praktiken der Denkmalpflege im (Post-)Sozialismus von Prof. Dr. Gerhard Vinken und Dr.-Ing. Johannes Warda. Die Betreuung vor Ort übernahm Mgr. Jan Hasil, Ph.D., vom Institut für Archäologie der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik.
Wesentliche theoretische und stadtbaugeschichtliche Grundlagen konnten bereits während des Semesters in Bamberg erarbeitet werden. Daran anschließend wurden in Prag Aspekte der Vielschichtigkeit des urbanen Erbes der tschechischen Hauptstadt untersucht. Ausgewählt wurden Orte und Objekte verschiedener Epochen und Baustile, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet wurden. Beim Besuch des Agnesklosters in der Altstadt analysierten die Studierenden Spuren der Bau- und Nutzungsgeschichte, die durch die Umnutzung des Gebäudes zum Ausstellungsort der Nationalgalerie entstanden. Auch Orte wie die Prager Hochburg (Vyšehrad) oder der Hradschin waren für die Entwicklung der tschechischen nationalen Identität von großer Bedeutung. Viele Prager Bauten und Monumente verweisen auf die historischen Ereignisse des letzten Jahrhunderts. So erinnert etwa der Palach-Pylon vor dem Neuen Gebäude des Nationalmuseums an das tragische Schicksal von Jan Palach. Einen bedeutenden archäologischen Meilenstein stellen die Untersuchungen zum Barackenlager der monumentalen Stalin-Denkmalbaustelle dar – einem Ort, der zugleich Schauplatz politisch motivierter Zwangsarbeit war. Mittlerweile wurde an dieser Stelle ein Teich angelegt. Unerwähnt bleibt dabei der dunkle Abschnitt der Geschichte dieses Ortes.
Im Stadtrundgang mit Ing. arch. Jan Maloušek, Mitarbeiter der Nationalen Denkmalpflegebehörde für den Bezirk Prag, wurden die unterschiedlichen Phasen der Stadtsanierung und Leitbilder der Denkmalpflege thematisiert. Die Bamberger Studierenden interessierten sich auch für die aktuellen Herausforderungen der UNESCO-Welterbestadt. Dabei stellten sie fest, dass Prag nicht nur als geschichtsträchtige Stadt ein attraktives Reiseziel ist. Die Lage der Großstadt im Herzen Europas macht Prag auch zu einem ideal gelegenen internationalen Arbeits- und Lebensort. Außerdem setzt die Stadt zunehmend mehr auf die Pflege ihres Images als Kulturmetropole.
Die Projektergebnisse bieten eine gute Grundlage für weitere wissenschaftliche Zusammenarbeiten sowie für Masterarbeiten oder Promotionsvorhaben. Die Projektleiter können sich auch zukünftig weiteren studentischen Austausch und Kooperationen im Rahmen der Lehrveranstaltungen vorstellen. In dem Podcast „Masterstudium Denkmalpflege in Bamberg“ berichten zwei Studentinnen von ihren Eindrücken aus Prag.
Das Projekt wurde durch die Bayerisch-Tschechische Hochschulagentur im Rahmen des Förderprogramms „Bayerisch-tschechische akademische Projekte 2024“ aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst gefördert.
Bericht der Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Text: BTHA
Foto: Otto-Friedrich-Universität Bamberg

